Ohne Worte
Freitag, 17. März 2006 – 00:11 Uhr

Triffts ganz genau. Das Bild hab ich gesucht als ich den Eintrag von Samstag geschrieben hatte.

Triffts ganz genau. Das Bild hab ich gesucht als ich den Eintrag von Samstag geschrieben hatte.
Mehr davon gibt es zum Beispiel unter http://www.chucknorrisfacts.com/ (englisch) oder hier http://forum.extreme-players.de/archive/index.php/t-9759.html (deutsch)
Aufstehen, PC an, Internet. ICQ an, Passwort eingeben. Jetzt bin ich wach!
So könnte man zeitweise mein Leben beschreiben. Ein passender Comic, der leider selbst nach einer halben Stunde der Google-Recherche nicht gefunden werden konnte, sagte es sehr passend: I love my computer because all my friends live in it
. Und in der Tat ist es so. Seit DSL-Flatrate sitze ich gerne auch mal von morgens bis abends ununterbrochen (Klo- und Essenspausen zählen nicht) am PC. Langweilig ist mir dabei aber nicht, schließlich geht es vielen meiner Freunde genauso. Die sitzen dann ebenfalls vor dem PC, vor ICQ, und wenn ich online komme dauert es meist keine 5 Minuten bis sich neben meiner Uhr im Systemtray neben 10 anderen Icons eine gelbe, blinkende PostIt Note befindet, die mich auf mindestens drei neue ICQ Nachricht aufmerksam zu machen versucht.
Rund 80-90 Kontakte haben sich mittlerweile in meiner schätzungsweise rund 6 Jahre dauernden ICQ Karriere angesammelt (kann man eigentlich irgendwo nachschauen wann sein ICQ Account erstellt wurde?). Nur die allerwenigsten Leute, die sich die Ehre geben dürfen, sich dort zu befinden, kenne ich nicht auch persönlich. Augsburg, München, Düsseldorf, Hamburg. Vom Süden bis in den hohen Norden, alles ist vertreten. Verständlich das ich diese Leute nicht häufig sehe, oftmals nur ein- oder zweimal im Jahr.
Umso öfter quatscht man in ICQ über Gott und die Welt und wie das Wetter so ist, an dem Ort, an dem man sich gerade so befindet. Bedrohlich wird das Ganze, wenn man zu Leuten die man vielleicht 4-5 mal im Leben erst gesehen hat öfter Kontakt hat, als zu »wahren Freunden«, die dafür jedoch (immernoch) kein ICQ haben oder nur selten online sind. Am Wochenende sieht man sich schonmal auf Parties, in der Woche dafür viel seltener.
Ist es da verwunderlich, dass man als scheinbar internetsüchtiger Mensch, ständig mit zwei Ängsten bzw. Gedanken zu kämpfen hat?
Über dieses Thema habe ich in letzter Zeit verstärkt nachgedacht (alleine das ist schon ein wenig krankhaft, nicht wahr?).
Ich habe viele nette Leute durch das Internet kennengelernt. Einige bereits vor 4-5 Jahren, die meisten habe ich daraufhin irgendwann mal auf einen Kaffee, oder auf ein, zwei oder auch zehn Bier getroffen. Mit Anderen war ein Treffen bisher nicht möglich, bedauerlich. Ändern tut dies aber nichts an der Tatsache das diese Leute halt vom anderen Ende Deutschlands kommen. Man versteht sich super, »kennt« sich mittlerweile, wohnt aber definitiv zu weit auseinander um auch mal am Wochenende öfter zusammen etwas zu unternehmen.
Nur wie sieht das in 10 Jahren aus? Die Person hinter dem grauen ICQ Fenster ist vielleicht nicht mehr Schüler, wohnt nicht mehr bei Muttern, hat kein Internet mehr oder sonst was, und ist somit nurnoch selten online. Namen werden schnell vergessen, zu schnell, eine eMail Adresse hat man nie gehabt. Man hatte ja die UIN. Nach einigen Monaten oder vielleicht auch Jahren weiß man nichtmal mehr, dass diese Person da jemals existiert hat. Sie befindet sich schließlich, wenn überhaupt, nurnoch als »Kontaktleiche« in meiner Contactlist.
Ein sehr komisches Gefühl, wenn man überlegt wie abhängig man mit der Zeit von einem Dienst wie ICQ werden kann. Wie denkt Ihr darüber? Über eine angeregte Diskussion zu diesem Thema hier in den Kommentaren (die ich immernoch nicht ausgestaltet habe) würd ich mich freuen :-)