Am Samstag musste ich mir krankheitsbedingt deutsches Verdummfernsehen antun. Bei Alternativen wie Musikantenstadl oder „Typisch Mann - Typisch Frau“ wählte ich das in meinen Augen kleinste Übel: Schlag den Raab. Hab irgendwo mal aufgeschnappt das dies, wie der Name schon vermuten lässt, die neue Idee vom Raab ist, der schon zu Viva-Zeiten zugegebenermaßen nicht zu meinen favorisierten Showmastern gehörte. Wenn ich auch TV-Total schon äusserst selten, aufs Jahr gesehen wohl nur ca. 1-2 mal im Monat schaue, so muss ich dennoch sagen, dass mir Raab mittlerweile schon besser gefällt als damals bei Vivasion oder beim Bundesligaspiel BVB gegen Köln, bei dem er irgendwann um das jahr 1994/1995 rum auftrat und irgendeinen seiner vielen sinnlosen Songs performte. Ich glaub es war »Börti Vogts«.
So muss ich diesmal zugeben, war auch „Schlag den Raab“ vom Unterhaltungsfaktor sicherlich garnicht schlecht. Nur wurde ich schon gleich am Anfang meine Vorurteilen zum Niveau des durchschnittlichen TV-Total Zuschauers bestätigt. Aus 5 Kandidaten wurde per Telefonabstimmung eine(r) ausgewählt, denn nur ein Kandidat konnte gegen Raab in maximal 15 unterschiedlichen Wettbewerben um 500.000 € zocken. Zur Wahl standen:
- Andreas, bei dem ich leider die Vorstellung verpasst hab, weil erst später eingeschaltet, erschien aber durchaus sympathisch.
- Christian, ein sehr junger, erfolgreicher, selbstständiger Einzelhändler und Filialleiter einer Supermarktkette, ehrgeizig, zielstrebig, vermutlich CDU-Wähler (eine gewisse Ahnlichkeit mit Ede Stoiber ist doch nicht abzustreiten, oder? Mal ehrlich!) und siegessicher. So gesehen eigentlich eine sympathische Type.
- Agamemnon, ein Gefäßchirurg, 33 Jahre, Oberarzt einer Münchner Klinik. Schien ein klein wenig ruhig bzw. schüchtern, war aber sportlich und kräftig gebaut, und als Promovierter sicherlich kein Dummkopf
- Esther, eine
Frau. gutaussehende Besitzerin einer Fußball-Indoorhalle (bitte merken!) in Bochum. Klein, zierlich. Aber gutaussehend! Wusste in Ihrer Vorstellung aber noch garnicht wirklich was sie mit den 500.000 € machen würde, falls sie gewinnt, denn: sie möchte den Raab einfach nur schlagen
.
- und Frank. Ein selbstständiger Maler- und Lackierer, und wenn ich das richtig in Erinnerung habe mit 22 Jahren einer der jüngsten Maler und Lackierermeister in seiner Heimat gewesen. Mitglied in einem Enduro-Team. Schien auf den ersten Blick evtl. ein bißchen durchgeknallt, erschien aber durchaus Konkurrenzfähig.
Gewinner der Telefonabstimmung war, ihr könnt es sicherlich ahnen, nicht der junge, erfolgreiche, zielstrebige, selbstständige Christian. Nein, auch nicht der sportliche, konkurrenzfähige, promovierte Agamemnon. Genausowenig wie der sympathische Kollege Andreas, oder der durchgeknallte, selbstständige Maler und Lackierermeister Frank, welcher immerhin noch am zweitbesten Abschnitt (vermutlich aufgrund des Attributs »durchgeknallt«). Nein, gewonnen hat die Wahl mit großem, mit sehr großem Vorsprung Esther. Die kleine, zierliche Besitzerin einer (na? habt Ihrs Euch gemerkt? Genau:) Fußball-Indoorhalle! So gings dann los. Raab ging beim Hochsprung mit 1:0 in Führung, da Esther es nicht schaffte Ihren Körper innerhalb von 3 Versuchen über die Starthöhe von 1,20m, welche ich fast aus dem Stand springe, zu bringen. Raab schaffte dies mit dem ersten Versuch. Bereits hier war mir klar, dass Raab der klare Sieger sein wird, denn nicht umsonst treten bei den Olympischen Sommer- und Winterspielen Männer und Frauen aufgeteilt zu den Wettbewerben an. Aber schauen wir erstmal weiter.
Das nächste Spiel war dann »Stimmt’s?«. Showmaster Matthias Opdenhövel warf Behauptungen in den Raum, Stefan und Esther mussten entscheiden ob diese Wahr oder Falsch sind, bei falscher Antwort gab es ein X, bei drei X war das Spiel verloren. Und so gewann Esther ihr erstes und auch vorerst letztes Spiel.
Beim nächsten Spiel hatte ich seit Tagen der Krankheit das erste Mal wieder höllisch zu lachen, auch wenn es höllisch weh tat zu lachen. Beide Wettbewerber stiegen jeweils in ein gleichwertiges Auto und sollten einen der Reifen zum Platzen bringen, bevor es der andere tut. Hab ich in diesem Weblog eigentlich mal was von wegen »Frau am Steuer« geschrieben? Nein? Dann tu ich das jetzt: Diese dämliche Frau von Kandidatin hat es in der Zeit in der Raab seinen Reifen bis auf die Felge runter fuhr, nicht geschafft überhaupt den Motor zu starten und einen Ganz einzulegen. Ihr Reifen bewegte sich somit nicht einen zentimeter von der Stelle. Ursache war laut Moderator: es war zwar der Motor an, jedoch kein Gang eingelegt. AUTSCH! Die Ausrede: Die Gangschaltung wäre ja so weich gewesen, und gehört hätte sie auch nichts, da es ja generell zu laut gewesen wäre. Allerdings, wenn ich den Reifen zum Platzen bringen will, und das möglichst schnell, dann fahre ich sicherlich nicht die ganze Zeit im ersten Gang. Ergo hätte ich es spätestens wenn ich bei 6000 Umdrehungen angekommen bin gemerkt das kein Gang drin ist, wenn ich in den zweiten hätte schalten wollen. Aber nun gut. Drücken wir nochmal ein Auge zu, vielleicht hat sie es einfach wirklich nicht gemerkt. Aufregung, Lampenfieber, Frau am Steuer, kann alles gewesen sein.
Es folgten einige weitere Spielchen wie Blindverkostung oder Papierfliegerwettfliegen, die in der Regel Raab für sich entscheiden konnte, und Tischtennis. Eigentlich sollte man einer jungen und sportlichen Frau, die von Beruf … ihr wisst was sie ist, zutrauen, einen mittlerweile knapp 40 jährigen Showmaster, in einer sportlichen Disziplin wie dem Tischtennis zu schlagen. Der ganz lockere 11:3 Sieg Raabs ließ aber anderes verlauten. Ich glaub Raab, der von sich selbst behauptete nicht Tischtennis spielen zu können, wonach es stellenweise auch aussah, hätte bei der Partie den Schläger auch mit der linken Hand halten können, und hätte noch mindestens 11:5 gewonnen.
Danach folgte eine Partie Bowling, welche Fußball-Indoorhallenbesitzerin (ich kann es garnicht oft genug erwähnen) Esther überraschend gewann. Herzlichen Glückwunsch! Beim darauffolgenden Geografiequiz (kann man in sehr ähnlicher Form z.B. hier oder auch hier spielen) versagte sie jedoch wieder kläglich. Ok, war, muss ich eingestehen, auch nicht gerade einfach. Das Peking nicht im Norden Russlands liegt, das muss man nich unbedingt wissen. Vor allem nicht wenn keine Landesgrenzen in die Weltkarte eingezeichnet sind. Nun gut, war einfach ein weiterer souveräner Sieg für Raab.
Aber was dann kam … Was dann kam, stellte die »Frau am Steuer«-Panne vom Anfang der Sendung in den Schatten. Es folgte ein Elfmeterschießen. Fußball. Elfmeter. Wir erinnern uns an den Beruf unserer Herausforderin? Besitzerin einer Fußball-Indoorhalle und laut eigener Aussage auch begeisterte Fußballspielerin. Gut, dachte ich mir. Hat sie doch noch Chancen auf die 500.000 €. Hab mich für Sie gefreut, und ebenso hab ich mich gefreut das Raab endlich mal ordentlich auf den Arsch kriegt. Aber Pustekuchen. Ich kann diese BLAMAGE mit den wenigen Mitteln die mir durch HTML gegeben sind garnicht richtig beschreiben. Doch ich probiers mal: UNGLAUBLICH!!! ES WAR SCHIER UNGLAUBLICH WAS BEI DIESEM ELFMETERSCHIESSEN PASSIERTE. Ich habe mich gekringelt vor lachen. Meine Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen waren mir in diesem Moment sowas von egal, wie mir in meinem sowieso ziemlich gleichgültigen Leben selten was egal war. Bei den Schüssen die auf das Tor Raabs kamen, musste man bangen. Nicht etwa um Raabs Gesundheit, nein, um den Ball, da dieser nichtmal am Tor anzukommen drohte. Und auch im Tor lieferte Esther keine Glanzleistung ab. Im Gegenteil: selbst ein Schuss der fast auf Mann Frau geschossen wurde, konnte von Ihr nicht pariert werden. Die beiden Tore, die Sie selbst erzielte sahen dagegen so aus, als wollte Raab sie vor einer kompletten Blamage verschonen. Immerhin müssen wir uns mal vor Augen halten, dass sie eingangs frohen Mutes erwähnte, die Besitzerin einer Fußballhalle in Bochum zu sein. Und auch selbst diese Sportart auszuüben. Aber nun gut. Haha. Soviele Fußballhallen gibts in Bochum nicht. Ich glaub ich fahr morgen mal vorbei und frag nochmal nach ob sie mittlerweile weiß was sie mit der halben Million gemacht hätte, die sich nicht bekommen hat. Hahaha. Ok ok, ich bin ruhig.
Danach folgte nurnoch ein Kartenspiel, welches auch ein wenig in die Kategorie Glücksspiel passt, welches Esther gewann (angeblich durch Taktik), und eine Partie »Blamieren und Kassieren«, welche Raab, nach anfänglicher Überlegenheit Esthers (sie beantwortete direkt die erste Frage korrekt, lange bevor Elton die Frage überhaupt zuende vorgelesen hatte), deutlich gewann. Dies bedeutete einen Matchball für Stefan, und es ging darum lange abzuhängen. An einer Stange. Beide Konkurrenten wurden an ein Reck gehängt (mit den Händen), wer als erster loslässt, hat verloren. Eigentlich ein ziemlich ausgeglichenes Spiel, da Stefan mit mehr Kraft, sicherlich auch eine Menge mehr an Eigengewicht zu halten hat. Doch bereits nach kurzer Zeit ließ Esther los, und hatte somit weder Raab geschlagen, noch 500.000 € gewonnen. Ich gönne es ihr. Die Niederlage. Wer sich bei all den Wettkämpfen so selten blöd anstellt, und dazu nicht den Ehrgeiz hat einfach mal für die Chance auf 500.000 € länger als der Körper eigentlich mitmachen will an ner Stange hängen zu bleiben (das geht, ich schwöre!), der hat es nicht anders verdient als zu verlieren.
So gesehen weiß ich nicht ob ich es gut finden soll, dass das gemeine TV-Total Publikum lieber auf geile Ärsche von hübschen, aber schwachen Frauen steht, anstatt auf zielsichere, ehrgeizige und erfolgreiche Jungunternehmer, und ich somit mindestens 2 mal richtig was zu lachen hatte, oder ob ich es schlecht finden soll, da ein ausgeglichenerer Wettkampf mit gleichwertigen Gegnern sicherlich zu einem spannenderen Samstagabend geführt hätte. Ich glaube mein Gesundheitszustand hätte die zweite variante um einiges angenehmer Empfunden.
Daher also eine Bitte noch an die Produktionsfirma um Schlag den Raab: Bitte achtet doch zukünftig mal darauf, dass die gecasteten Kandidaten (eine Bewerbung bei Schlag den Raab kostet übrigens 0,98 Euro, was bei [laut Eigenaussage] rund 150.000 Bewerbern also rund 150.000 € in die Kassen gespült hat) einigermaßen mit Stefan Raab mithalten können, denn das »Schlag den Raab«-Format an sich ist absolut spitze! Würde die ganze Show doch nicht durch eine unmotivierte, größtenteils schwache Kandidatin so abgewertet werden … Peter Luley von Spiegel Online scheint da ganz einer Meinung mit mir zu sein:
Noch wichtiger als ein neuer Technik-Support wären für die am 18. November folgende zweite Ausgabe, in der es nun um einen Jackpot von eine Million Euro geht, aber sicher ein paar strukturelle Änderungen: zum Beispiel geistreichere Fragen und Wettbewerbe, ein stärkerer Gegner für Raab und eine deutlich straffere Struktur.
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