Dortmunder Sozialticket: Schuss ins eigene Knie
Dienstag, 22. Juli 2008 – 12:41 Uhr
Eigentlich wollt ich ja aufhören hier über irgendwelche Parteien abzulästern und stattdessen in Zukunft mal etwas konstruktiver bloggen. Aber gerade hab ich etwas gefunden, das brachte mich einfach zum Schmunzeln, also muss ich das hier einfach einmal ausführen.
Ende Januar hatte ich bereits über das von der Stadt geplante und inzwischen umgesetzte Dortmunder Sozialticket geschrieben.
Nun finde ich gerade über Google durch zufall etwas bei der „Linkszeitung“:
Der Dortmunder Stadtwerkechef Guntram Pehlke hat erklärt, dass die Stadtwerke nicht bereit seien, das vom Stadtrat beschlossene Sozialticket mitzutragen. Pehlke forderte die Abschaffung des vergünstigten Tickets, gerade einmal fünf Monate nach dessen Einführung.
Da beschließt die SPD im Rat ein vergünstigtes Ticket für alle armen hilfsbedürftigen und ein knappes halbes Jahr später fällt auf: Oh, das kostet ja Geld!
Hab dann mal ein wenig weiter gesucht und bin dann auch auf weitere Infos beim „Sozialforum Dortmund“ gestoßen:
Die Stadtwerke fahren durch das billige Sozialticket ein wesentlich höheres Minus ein als geplant. Problem für die Stadt: Sie muss das geschätzte Minus von rund 5 Mio. Euro in diesem Jahr ausgleichen. Das beschloss der DSW-Aufsichtsrat.
Schön, weitere 5 Millionen Euro Schulden für die Stadt, von denen sie ja auch erst knappe 2 Milliarden hat.
Auch geil:
Hinzu kämen 5000 Wechsler, die vom 40 Euro teuren Ticket 2000 auf das Sozialticket umsteigen. “Wir haben also keine Mehreinnahmen, sondern Mindereinnahmen”, so Pehlke.
Ich verstehe sowas nicht. Vielleicht will ich es nicht verstehen, vielleicht kann mir das ja irgendwer erklären. Da wird ein Ticket eingeführt, um Leuten, die sich den ÖPNV sonst nicht leisten können das Bahnfahren zu ermöglichen, und dann steigen 5000 Leute, die es sich scheinbar doch leisten können, auf das vom Steuerzahler subventionierte, günstigere Sozialticket um? Hallo?
“Der Besteller des ganzen Spaßes ist informiert”, sagt Pehlke. Entweder müsse die Stadt Mittel aus dem Sozialhaushalt “umschichten”, so Pehlke, oder aber das Modell beenden. “Wir werden diese Beträge nicht bezahlen.”
Okay, verständlich. Die Stadtwerke haben kein Geld mehr, sollen sie doch schließlich demnächst das marode Klinikum subventionieren. Subventionieren, subventionieren, subventionieren. Ich kann das Wort nicht mehr hören.
Irgendwas läuft in dieser Stadt gehörig falsch und ich hab so langsam schon fast echt keine Lust mehr hier zu wohnen. Wär ich hier nicht so fest verwurzelt und (ansonsten) durch und durch Lokalpatriot, wär ich vermutlich längst weg. In Düsseldorf oder so. Da hat es der Bürgermeister jetzt schließlich auch geschafft die Stadt schuldenfrei zu kriegen. Sowas ist hier mit einem Herrn Dr. Langemeyer und seinen Leuchtturmprojekten ja glaube ich kaum möglich.
Tags: Die Grünen, Die Linke, Dr. Gerhard Langemeyer, Leuchtturmprojekt, Sozialticket, SPD, Subventionen







